Historisches

Wasserturm Braunsdorf
Der Wasserturm - Das Wahrzeichen Braunsdorfs

Der Wasser- und Aussichtsturm, so wurde er in einem Grundstücksprospekt genannt, stellte seit seiner Errichtung auf dem Flurstück 184a im Jahre 1911 das inoffizielle Wahrzeichen Braunsdorfs dar.

Während man sich im Niederdorf mittels Röhren und Brunnen versorgte, machte sich im Oberdorf das 25 Meter hohe Bauwerk wegen der einsetzenden lebhaften Bautätigkeit durch Hugo Heyl zu Beginn des 20. Jahrhunderts notwendig. Als Architekt fungierte H. Gottschald aus Chemnitz. Der Wasserturm wurde zur Versorgung von ca. 80 Grundstücken in Parzelle 28 in 300 Metern Höhe über NN errichtet. Das Wasser lieferte ein neun Meter tiefer Brunnen von drei Meter Durchmesser, der bis in drei Meter Tiefe aus Zementmauerwerk und darunter aus Fels bestand. Er fasste rund 50 bis 55 Kubikmeter und benötigte etwa einen Tag um sich wieder zu befüllen. Die Pumpenanlage befand sich in einem kleinen Häuschen direkt über dem Brunnen. Eine Kolbenpumpe, von einem Deutz-Dieselmotor über Riemen angetrieben, beförderte das Wasser über eine 60 mm starke Druckleitung zum 750 Meter entfernten Hochbehälter. Die Pumpenanlage war in einem kleinen Häuschen neben dem Turm untergebracht. Vom Turm verlief eine 100 mm Hauptverteilerleitung mit rund 700 Metern Länge zu etwa 25 Verbraucheranschlüssen. Ein Pumpenwärter betreute damals den Dieselmotor. Bekannt ist heute noch, dass Günter Lahl einst Pumpenwärter war. 1933 wird ein Wasserverbrauch von 100 bis 150 Liter pro Tag und Person in der Kolonie genannt.

Am 28. Oktober 1913 bot Herr Heyl der Gemeinde die komplette Wasserversorgungsanlage zum Kauf an. Die Gemeinde lehnte das Angebot ab, da alle sonstigen Grundstückseigentümer über eine eigene Versorgung verfügten. 1934 bekundete die Gemeinde dann wieder Kaufinteresse. Wann der Kauf schließlich erfolgte, ist nicht mehr bekannt. Zunächst bezog der Turm sein Wasser aus der Pumpstation im Einzugsgebiet des Harrasfelsens und später dann wohl aus dem städtischen Rohrsystem. Seit 1991 bewirtschaftete der Wasserzweckverband Niederwiesa/ Braunsdorf den Turm, 1995 wird als Eigentümer der ZWA „Mittleres Erzgebirgsvorland“ genannt. Am 14. November 1996 wurde der Turm von einer Leitung mit Druckstation abgelöst. 1997 erwarb ein in Chemnitz ansässiger Rechtsanwalt den Turm und baute ihn zu Wohnzwecken um. Der Wasserbehälter musste weichen und die Außenhülle erhielt neuen Putz. Die Fenster und die Verschieferung wurden erneuert. Die alte Wendeltreppe konnte erhalten werden. Nach zwischenzeitlichen Pausen war der Ausbau im Jahre 2003 schon weit fortgeschritten. Zum Tag des Denkmals im September konnte der Turm erstmals wieder von der Öffentlichkeit besichtigt werden. Das Denkmal konnte somit erhalten werden und ist einer von nur fünf Wassertürmen im Landkreis Freiberg. Mit der Eingemeindung Braunsdorfs nach Niederwiesa 1995 wurde das Gemeindesiegel angepasst. Der Wasserturm wurde somit auch offiziell das Wahrzeichen des Ortes. Mittlerweile gibt es ihn nicht nur auf Plaketten und Plakaten, nein auch schon als Pappmodell und auch als Motivhecke. Einzig ein Modell im Oederaner Klein-Erzgebirge wünschen wir uns noch.

Fundstellen:
Faltblatt „Der Wasserturm von Braunsdorf“; Landratsamt Freiberg, 2003

Entdeckungen im Landkreis Freiberg, Landratsamt Freiberg, 2004

Kästner; Frankenberger Heimatbuch; 1938

Unterlagen im Landratsamt Freiberg (Denkmalschutzbehörde und Kreisarchiv)

Artikel in Freie Presse vom 14.04.194, September 1995, November 1996, 30./31.10.2002

Sammlung Heiko Lorenz, Braunsdorf

 
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