Historisches

Harrasfelsen
Der Harrasfelsen - gut erreichbar über Braunsdorf

Der heute weitläufig „Harrasfelsen“ genannte 37 Meter hohe Chlorit- und Hornblendenschieferfels lautet offiziell eigentlich „Haustein“ und befindet sich auf Altenhainer Flur.

Am rechten Ufer der Zschopau, eine halbe Stunde von der Stadt Frankenberg gegen Mittag gelegen, erhebt sich aus den bewaldeten Hügelreihen, welche den Fluß geleiten, ein malerischer Felsen. Jäh steigt er aus den Wellen, die seinen Fuß bespülen, bis zu einer Höhe von hundertfünfzig Fuß empor, während auf der andern Seite sanft ansteigende Waldpfade auf seinen Scheitel führen.“ schreibt die Zeitschrift Gartenlaube im Jahr 1870. Zur Höhenlage gibt es unterschiedlichen Angaben: 287 oder 293 Meter über NN.

Einige suchten sogar die Burgwart Gozne, deren Existenz bei Frankenberg angeblich einige alte Urkunden belegen, auf dem Haustein. Bislang hat jedoch niemand einen Hinweis darauf gefunden, zumal Burg Lichtenwalde auf einen weit günstigeren Felsvorsprung steht. Die örtlichen Gegebenheiten schließen eine Warte auf dem Haustein eher aus.

Im Erbbuch von Lichtenwalde aus dem Jahre 1595 steht geschrieben, dass George Angermann 24 Groschen Erbzins für den „Werder unter dem Hohenstein“ gibt. Petersen meint, dass der Harrasfelsen damit gemeint sei. Somit kann „Hohenstein“ als die früheste bekannte Bezeichnung gelten und lässt eine einfache Deutung als „hoher Stein“ zu. Es heißt, der Name „Haustein“ geht bis ins Jahr 1620 zurück und entstand vermutlich, weil sich Harras mit seinen Feinden hier „herumgehauen“ hatte. C. A. Bahn nennt ihn 1755 „Haußstein“ und nennt eine kursierende Version der Namensgebung als von einem „Lust Hauß“ ausgehend, welches die Herren von Schönberg auf dem Felsplateau errichtet haben sollen, wovon es aber keinerlei Anzeichen gäbe. Er schreibt jedoch schließlich: „Es könnte auch die Benennung dieses Ortes also veriviret werden: Haußstein ist der Stein, so zum Hause, welches jetzo der Bau heisset, gehöret.“ Der Fels hatte also zu einem „Hause“ gehört, gemeint ist damit sicher eine Familie oder ein Gut. Peter SchenksAtlas saxonicus novicus“ von 1781 bezeichnet den Fels im Jahre 1758 als „Hausstein“ und auf anderer Seite als „Haußstein“. Das verwundert aber nicht, legte man damals noch keinen Wert auf eine einheitliche Schreibweise. Im „Sächsischen Meilenblatt“ von 1790 tauchte erstmals die Bezeichnung „Harrasstein“ auf. Flurkarten bezeichnen das Areal ab 1835 als „Harrasstück“ und „Harrasstein“. Auch „Harrassprung“ setzte sich durch. Der Name „Harrasfelsen“ löste etwa Mitte des 19. Jahrhunderts den „Haustein“ ab. Beide Bezeichnungen sind aber heute noch in Gebrauch.

Auf einer Darstellung von 1810 ist der Harrasfelsen noch in seiner ursprünglichen Gestalt zu erkennen. Bei späteren Tunnelarbeiten im Jahre 1868 wurde der komplette rechte Teil weggesprengt. Ebenso ist am Fuße des Felsens noch der ehemalige Wandersteg zu sehen. Am 26. August 1863, Körners 50. Todestag, versammelten sich zahlreiche Menschen zur Gedenkfeier auf der Mundwiese (ahd. munt = Schutz) gegenüber des Hausteins. Die Pflanzung einer Körner-Eiche zum Anlass genommen, gab der Amtsverweser Butter bekannt, dass auf dem Haustein ein Kreuz errichtet werden soll. Aus diesem Anlass hatte man zuvor bereits einen „aus dem Laube der 1000jährigen Eiche“ gebundenen Kranz an Körners Grab in Wöbbelin niedergelegt. Der Lehrer und Kirchner August Windisch verfasste dazu folgende Worte:

An des Hausteins lichter Stelle,
Wo der Zschopau Silberwelle
Seinen grauen Fuß bespült,
Steht die alte Harraseiche,
Und ihr dichtes Laubgezweige
Stets noch frisch den Wandrer kühlt.

Körner saß in ihrem Schatten
Einst auf jenen grünen Matten,
Sah im Geist den kühnen Sprung,
Da, in hehrem Meistersange,
Blühte aus des Herzensdrange
Harras auf mit Dichterschwung.

Kranz du, aus dem Laubgezweige
Dieser tausendjähr’gen Eiche,
Schmiege dich an Körners Grab!
Sei der Achtung treuer Bote,
Sei’s ihm, der im Heldentode
Sich dem Vaterlande gab.

Flüstere ihm in Liebestönen
Treuen Gruß von deutschen Söhnen
An der Zschopau Felsenrand!
Sag’ ihm: Seine Heldenlieder
Schall’n in unserm Innern wider,
Und bereit sind Herz und Hand!

Am 20. Juni 1864 zogen viele Festteilnehmer, Veteranen aus dem Befreiungskrieg von 1813 und zahlreiche Vereine mit ihren Fahnen sowie Sonntagsschüler in einem geschlossenen Zug zum Haustein. Auf der Aussichtsplattform errichteten Frankenberger Bürger dann das fünf Meter hohe gusseiserne Gedenkkreuz. Die Inschrift lautet: „Dem Sänger und Helden Theodor Körner. Die Bewohner von  Frankenberg zur Erinnerung an den 26. August 1863.“ Danach überquerten sie mittels einer eigens errichteten Ponton-Brücke die Zschopau und feierten im Lichtenwalder Park. 1960 musste das verfallene Kreuz abgetragen werden und wurde durch eine Brigade des Frankenberger Barkas-Werkes am 21. September 1968 wieder neu aufgestellt. Auf der Rückseite hat sich der Hersteller verewigt: „Eduard Kertzscher in Chemnitz“.

Am 26. Februar 1868 wurde mit den Arbeiten am 86 Meter langen Hausteintunnel begonnen, nachdem 1864 der Bau der Bahnstrecke beschlossen wurde. Am 12. Juli 1868 war der Tunnel fertiggestellt. Am 14. Dezember 1913 kam es infolge eines Wintergewitters zum Absturz von 100 m³ Felsmassen und nachfolgendem schweren Eisenbahnunglück.

Ungefährlich war der Harrasfelsen nie. Zahlreiche Opfer forderte seine schwindelerregende Höhe. Überliefert ist aus einem Frankenberger Zeitungsartikel beispielsweise das Unglück vom Himmelfahrtstag 1930. Der katholische kaufmännische Verein Chemnitz unternahm eine Jugendwanderung zum Harrasfelsen. Der 15jährige Hans Sticht kletterte von der Aussichtsplattform den Felsvorsprung hinab, leistete den Rufen seines Wanderführers sofort umzukehren, nicht folge und rutschte schließlich ab. Er schlug mehrfach am Fels auf bevor er in die Zschopau stürzte. Mehrere badende und Paddelboote erspähte den mehrmals an der Oberfläche auftauchenden Verunglückten noch, konnten aber aufgrund der großen Strömung nicht mehr helfen. Er konnte bis zum Erscheinen dieses Artikels noch nicht geborgen werden. Das leichtsinnige Klettern am ungesicherten Fels bezahlte in den 80ern des 20. Jahrhunderts ebenfalls ein Knabe mit seinem Leben. Zeitzeugen erinnern sich noch an das traurige Bild, als sein Gefährte ohne seinen Freund, in jeder Hand ein Fahrrad, entlang der Landstraße nach Hause lief.

Fundstellen:

  • Petersen, Gert; Das Erbbuch von Lichtenwalde 1595; Seite XII und 27
  • Druck „Zum Harrasfelsen, Braunsdorf und Lichtenwalde“, Verlag Carl Stange, Frankenberg, ca. 1906
  • Bahn, Christian August, Historische Nachrichten von dem im Meißnischen Ober-Erzgebirge an der Zschopau liegenden Frankenberg und Sachsenburg, verlegt bei Carl Wilhelm Fulden, Schneeberg 1755; Seite 43
  • Forkmann, Paul; Frankenberg und seine nächste Umgebung in Geschichte und Sage;  1903; Seite 53
  • Zeitschrift „Gartenlaube“; 1870; Seite 334
  • Großer, Günter; „Frankenberg – Bilder aus der DDR“, Verlag Alan Sutton 2003
  • Werte unserer Heimat, Band 28, Das mittlere Zschopautal, Akadenmieverlag Berlin, 1977; Seite 35 ff
  • Haase, Herbert; Lichtenwalde – Geschichte vom Zschopautal; Lichtenwalde 1994; Seite 19-22
  • Artikel im Frankenberger Tageblatt vom 18.01.1930
  • Artikel im Frankenberger Tageblatt vom 28.05.1930
  • Kästner, Max; Frankenberger Heimatbuch, 1938; Seite 344
  • Heimat, Jahrgang 3, Nr. 2, Frankenberg 1924, Seite 12
  • Deine Heimat; 10/1958; Seite 414/415
  • Wanderbuch des Kreises Flöha, Teil II Lichtenwalde – Kreisstadt Flöha, Seite 16
  • Freie Presse vom 14.05.1991, 13.05.1994, 9./10.04.1998
  • Kreisarchiv Freiberg, Wasserbuch Braunsdorf Nr. 14, Seite 7
  • Sammlungen: Heiko Lorenz, Braunsdorf; Günter Großer, Frankenberg; Volker Schacht, Lichtenwalde

 
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