Historisches

Barockgarten Lichtenwalde
Historie - Barockgarten Lichtenwalde

Bevor in einem kleinen „Rundgang“ einzelne Teile des Barockgartens Lichtenwalde näher beschrieben werden sollen, erfolgt eine kurze Einführung in die Besonderheiten des Parkes. Der Besucher wird hier einen der wenigen erhaltenen spätbarocken Gärten Sachsens vorfinden, dessen Bedeutung weit über die Landesgrenzen hinausgeht.

Mit der Anlage des 10 ha großen Garten wurde 1730 begonnen. Auftraggeber war Carl Friedrich Graf von Watzdorf, der Sohn des verstorbenen Schlosserbauers. Das ursprüngliche Aussehen der Gartenanlage verrät uns heute der nach seinem Verfertiger genannte Lutherplan aus dem Jahre 1767. Es läßt sich erkennen, dass die barocke Raumkonzeption fast unverändert erhalten geblieben ist.

Bei der Planung und Gestaltung des Gartens spielte offensichtlich weniger die Zuordnung zum Schloss, sondern die Einordnung in das abfallende Gelände des Zschopautalhanges eine entscheidende Rolle. Der besondere Reiz entsteht durch die Terrassierung sowie die Aufteilung des Parks in einzelne Gartenräume. Immer wieder bieten sich auf Grund der Hanglage durch Sichtschneisen reizvolle Ausblicke in das Zschopautal und auf die gegenüber liegenden Höhenzüge. Drei Meter hohe Hainbuchenhecken sorgen für eine gewisse Unüberschaubarkeit und stellen das eigentlich raumbildende Element dar. Der Barockgarten erlangte bereits im 18. Jh. durch seine Wasserspiele mit angeblich über 400 Springstrahlen Berühmtheit. Das Wasser wird noch heute von der Zschopau 60 Meter hoch in ein 800m3 fassendes Bassin gepumpt. Von hier aus nimmt es den Weg zu den einzelnen Wasserkünsten, bevor es als Wasserfall 30 m tief in die Zschopau zurückstürzt.

In Verlängerung des Treppenabganges vom Altan befindet sich das Terrassierte Parterre, welches um 1800 neu gestaltet und durch Statuen, Vasen sowie 34 Einzelfontänen belebt wurde. Dieser Teil der Anlage - auch Mittelgarten genannt- wird im hinteren Bereich durch ein mit Linden bepflanztes Boskett abgeschlossen.

Über zwei mit Wasserkünsten verbundene imposante Treppenabgänge gelangt man zu den tiefer gelegenen Gartenteilen. In Schlossnähe umfasst eine doppelläufige Treppenanlage einen Brunnen in Grottenform. Eine dreiarmige Treppe (mit Vexierkunst an historischem Ort) leitet vom Boskett herab zum ovalen Arkadenstück mit dem Delfinbrunnen. Von der angrenzenden mit 94 Linden bepflanzte Hauptallee gibt es Querverbindungen in alle Gartenteile.

Direkt gegenüber vom Arkadenstück liegt das 1905/06 zum Konzertplatz umgestaltete Bowling Green. Der Rasenplatz erhielt ein rundes Bassin mit Fontäne. Es wurden eine Kaffeeküche und ein erster Konzertpavillon errichtet. 1843 fand nachweislich das erste Blasmusikkonzert statt. Diese Tradition wird bis heute gepflegt. Die unteren Terrassen des Parks waren bereits um 1900 für Besucher frei zugängig.

Parallel zur Lindenallee führt die sogenannte Wasserachse vom Konzertplatz über das „Kronenbassin“ und „Vasenstück“ bis zum „Neuen Stück“. Keiner der Parkräume gleicht dem anderen. Entlang dieser Allee wird die Kleinteiligkeit und Intimität der Anlage besonders deutlich. Jeder Platz unterscheidet sich in Form und Größe von den anderen. Das Auge erblickt immer wieder etwas Neues, vorher nicht gesehenes. Blickpunkte bilden die verschiedenen Wasserspiele, welche die einzelnen Plätze zieren.

Das „Neue Stück“ blieb vorerst unvollendet. Der siebenjährige Krieg, der Tod des Grafen und seines ausführenden Gärtners hatten die Fertigstellung behindert. Um 1800 erhielt das Neue Stück seine heutige Form. Im oberen und unteren Teil stehen je ein Wandbrunnen mit Tritonenköpfen. Weiterhin gibt es oben viele kleine Springstrahlen, die aus dem Rasen hervorsprudeln und unten ein Wasserbecken mit sich drehenden Fontänen. Die Entwässerung dieses Teiles erfolgt über einen romantisch angelegten Bachlauf der von einer kleinen Holzbrücke gequert wird. Ganz in der Nähe befindet sich der eigentliche Höhepunkt der gesamten Anlage, das „Große Fer a`Cheval“. Es ist eine Fontänenanlage mit sieben Strahlen und Wasserschürze in einem muschelförmigen Becken mit grottierter Einfassung. Der Königsstrahl kann eine Höhe von ca. 6,5 m erreichen. Rechts und links zur Seite stehen zwei Pavillons gekrönt von Kupfervasen. Von der Terrasse aus hat man einen wundervollen Blick in das idyllische Zschopautal.

Setzt der Besucher seinen Rundgang fort erreicht er die „Diana“ (oder eventuell "Adonis"?); den Betonabguß der letzten erhaltenen Skulptur und ein Stück weiter zwei Putten, die als einzige noch im Park zu besichtigen sind. In diesem Rundgang konnten nicht alle Gartenelemente Erwähnung finden, deshalb lassen sie sich vor Ort überraschen.

1954 begann die Erneuerung von wesentlichen Teilen der Parkanlagen. In den letzten Jahren konnte die Gemeinde als Eigentümer mit Fördermitteln der EU, des Bundes und des Freistaates Sachsen die Sanierung forciert fortsetzen. Seit 1998 erstrahlt der Barockgarten im neuen Glanz.

Angrenzend an den Barockgarten hat der damalige Besitzer Friedrich II. Vitzthum von Eckstädt einen Landschaftspark angelegt. Das gegebene Gelände entlang der Zschopau mit den Schluchten und Felsmassiven eignete sich dazu recht gut. An einzelnen Punkten ließ er Staffagen errichten, wovon einige (z.B. Harrasstein, Rastpilz, Friedrichdenkmal) in jüngster Zeit erneuert worden sind. Erwähnenswert sind außerdem der gräfliche Friedhof mit seinem 6 m hohen geschnitzten Kruzifix sowie die Orangerie und das Kellerhaus im Gärtnereigelände.

Wenn der Besucher Schloss und Barockgarten Lichtenwalde besucht hat und immer noch mehr kennenlernen möchte, ist der Abstieg ins Zschopautal zur Lichtenwalder Mühle zu empfehlen. Neben der Mühle steht das um 1670 erbaute Kunstwärterhaus, von wo aus das Wasser zum Barockgarten hochgepumpt wird. Mit dem Gang zu den Wiesen am Wehr erreicht man einen beliebten Rastplatz, der sich gut zur Entspannung nach dem anstrengenden Rundgang eignet.

 
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