Historisches

Schloss Lichtenwalde
Historie - Schloss Lichtenwalde

An der Zschopau auf halbem Weg zwischen Flöha und Frankenberg nahe Chemnitz erhebt sich auf einem Bergsporn das Schloss Lichtenwalde. Es ist ein Ort mit wechselvoller Geschichte.

Eine erste Burg wurde Anfang des 13. Jh. errichtet. Ihr Bau soll nach neusten Erkenntnissen auf den Markgrafen von Meißen „Heinrich der Erlauchte“ zurückgehen. Erstmals urkundlich zur Erwähnung kam Lichtenwalde 1280, als ein Ritter Heidenreich dem Kloster Geringswalde zur Erziehung seiner drei Töchter einen größeren Geldbetrag übergibt. Am Schriftstück ist sein Siegel mit der Umschrift „Heidenrici de Lichtenwalde“ befestigt. Viele weitere Eigentümer haben seitdem die Geschicke der Burg mit beeinflusst. Genannt werden soll der Ritter Dietrich von Harras, welcher mit dem Sprung zu Pferd vom Haustein um 1454 in die Sagenwelt eingegangen ist.

Dietrich von Harras hat seine letzte Ruhestätte in der Stiftskirche zu Ebersdorf gefunden, deren Schutzherr er war. Seine Grabplatte (Epitaph) kann heute neben vielen anderen Kunstschätzen und Votivgaben (teilweise bis auf das 13 Jh. zurückgehend) besichtigt werden. Die Stiftskirche diente nicht nur der sächsisch kurfürstlichen Familie als Wallfahrtsort sondern auch vielen anderen Pilgern aus nah und fern. Der heutige Bau wurde um 1400 aus Stiftungsgeldern an Stelle des romanischen Vorgängerbaus von 1160 im Stile der sächsischen Spätgotik errichtet.

Zurück zur weiteren Geschichte der Burg Lichtenwalde. Die Familie von Harras lässt Teile der im sächsischen Bruderkrieg gestürmten und niedergebrannten Burg wieder aufbauen. Die Vorburg erhielt bereits Schlosscharakter. Mit dem Tod des letzten Harras fällt 1561 der Lehnbesitz an den Kurfürsten zurück. Das Amt Lichtenwalde entstand mit den 13 dazugehörigen Ortschaften.

Zeitzeuge aus diesen alten Tagen stellt die Schlosskapelle dar. Sie erhielt Anfang des 18. Jh. ihre heutige Form. Trotzdem sind auch jetzt noch Teile aus der Entstehungszeit Anfang des 13. Jh. nachweisbar. Das schöne erhaltene Tympanon eines Portals der Kapelle zeigt eine Kampfdarstellung zwischen Löwen und Drachen. Es befindet sich nicht mehr in Lichtenwalde sondern kann im Schlossbergmuseum Chemnitz besichtigt werden. Lichtenwalde verfügte lange Zeit über eine eigene Gerichtsbarkeit. Zu diesem Zweck war an die Kapelle ein Gerichtsgebäude mit zwei Gefängniszellen, einem Raum für „Vernehmungen“, einer Schreiberstube und weiteren Nebengelassen angebaut worden. Dieser Bau ist heute noch erkennbar. An des Ostseite des Burghofes ist auf einen Federzeichnung von Dilich (1629) bereits ein Belvedere zu erkennen. An der Stelle dieses Pavillion wurde mit dem Schloss das Teehaus errichtet.

Die Geschichte der Burg und später des Schlosses Lichtenwalde mit ihren Besitzern war auch immer eng mit der sächsischen Geschichte, den Wettinern und ihrem Hof verflochten. Davon zeugt zum Beispiel ein Tauschhandel, betrieben durch den Kurfürsten Georg IV. mit der Familie von Bünau. Um in den Besitz von Schloss Pillnitz zu gelangen, was er seiner Geliebten Sybille von Neitschütz zu schenken gedachte, übereignete er dem Besitzer Amt Lichtenwalde mit einem finanziellen Wertausgleich.

1722 erwarb Christoph Heinrich Graf von Watzdorf, Kabinettsminister unter August dem Starken, Lichtenwalde und ließ in den Folgejahren auf den Grundmauern der mittelalterlichen Burg das spätbarocke Schloss errichten. Dieser dreiflüglige, dreigeschossige Prachtbau mit seiner vornehmen Ausstattung setzte sogar den verwöhnten sächsischen Adel jener Zeit in Erstaunen. Der Baumeister ist unbekannt, sollte aber unter den Dresdener Hofarchitekten zu suchen sein. Nach seinem Tod erbte sein Sohn das Anwesen. In seiner Zeit wurde mit der Anlage des spätbarocken Gartens begonnen. 1764 verstarb Friedrich Carl von Watzdorf. Seine Witwe, eine geborene Vitzthum begründete später ein Majorat und vererbte den Besitz ihrem jüngsten Bruder Ludwig Siegfried.

Bis 1945 waren die Grafen Vitzthum von Eckstädt auf Lichtenwalde ansässig. Hervorzuheben wäre Friedrich III. Graf von Vitzthum, von 1870-1936 letzter Majoratsherr. Nach dem Studium stand er bis 1890 unter Reichskanzler Bismarck in kaiserlichen diplomatischen Diensten. Auslandsaufenthalte führten ihn nach New York, Paris, London, Petersburg, Wien und Bukarest. Nach dem Abdanken von Bismarck holte ihn der sächsische König Albert als Oberhofmarschall (später unter Friedrich August III. Oberstmarschall) an den Dresdner Hof, mit der Absicht "an die Spitze des königlichen Hofstaates eine vornehme, unabhängige Persönlichkeit zu stellen, die den König in allen Fragen offen und unerschrocken zu beraten vermöge". Er amtierte von 1905 - 1918 als letzter Präsident der ersten Ständekammer des königlichen Sachsens. 1897 heiratete er die Tochter des einstigen Vormundes Otto von Tschirschky und Bögendorff (Generaldirektor der Sächs. Staatsbahnen). Ihr Sohn Siegfried erblickte 1904 das Licht der Welt. Er ist im 2. Weltkrieg an der Ostfront gefallen.

In der Nacht vom 30. April zum 1. Mai 1905 trifft die Familie des Graf Vitzthum von Eckstädt ein harter Schicksalsschlag. Schloss Lichtenwalde stand in Flammen. Trotz aufopferungsvollen Bemühungen der Feuerwehr und der Dorfbevölkerung brannte das Gebäude bis auf die Grundmauern ab. Nur ein Drittel der vorhandenen Kunstschätze konnte gerettet werden. Der Rest wurde Opfer der Flammen wie auch das Familienarchiv der Vitzthums von Eckstädt. Auslöser der Brandkatastrophe bildete eine defekte Schleppesse. Der Wiederaufbau erfolgte unter der Leitung von Hofbaurat Frölich aus Dresden, in den alten vertrauten Abmaßen nur mit neuem kräftigeren Dachreiter für den Turm, einer dem Neobarock entsprechenden Fassadengestaltung, einer repräsentativer Eingangshalle und modernster innerer Organisation. Der Wiederaufbau kostete 1Mio Reichsmark, wovon ein Drittel von der Feuerversicherung abgedeckt werden konnte.

Die Zeit unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg war eine unheilvolle für das Schloss. Im Juli 1945 bis Dezember des gleichen Jahres kam es zur Einquartierung durch die Rote Armee. Zum damaligen Zeitpunkt lebten hier ca. 170 Personen die anderweitig untergebracht werden mussten. Nach der Rückgabe des Objektes im Dezember 1946 waren sowohl die wertvolle Inneneinrichtung als auch die Porzellan- und Gemäldesammlung verschwunden. Sibylle Gräfin Vitzthum von Eckstädt lebte als die Letzte der Familie noch bis 1951 im „Lichtenwalder Exil“. Nach ihrem Tod erhielt sie die letzte Ruhestätte an der Seite ihres Mannes auf dem Gräflichen Friedhof.

Zu DDR-Zeiten diente Schloss Lichtenwalde unter anderem als Kurheim, später Heilstätte für Lungenkranke, ab 1972 als Akademie des Gesundheitswesens.
1991-1995 nutzte ein Bildungszentrum des sächsischen Sozialministeriums das Gebäude.
Seit dem Januar 1999 gehört das Objekt der sächsischen Schlösserverwaltung an und wird schrittweise saniert. Die Leitung von Schloss Lichtenwalde hat die Schlossbetriebsgesellschaft Augustusburg/Scharfenstein übernommen, die als gGmbH seit 2003 auch den Barockgarten mit bewirtschaftet.

Die ehemaligen Repräsentationsräume - bestehend aus Bibliothek, Roter Salon, Chinesisches Zimmer, Speisesalon und Wintergarten - befinden sich im ersten Obergeschoss des Südflügels.

Aus der Reihe dieser Räumlichkeiten hebt sich das Chinesische Zimmer heraus. Die Watzdorfsche Originaldekoration konnte 1905 aus dem großen Schloss-Brand  gerettet werden. 1909 ist in einem Zeitschriftenartikel zu lesen, dass in diesem schönen Zimmer ein Teil der Porzellanträume von August dem Starken verwirklicht wurden. In eine Holzvertäfelung sind in zwei Etagen auf Stoff kaschierte Papierbilder eingelassen, die Szenen aus dem chinesischen Familienleben wiedergeben. Ein Teil der Motive ist direkt gemalt, der andere Teil stellt handkolorierte Holzschnitte dar. Drei Reihen von Konsolen verziert mit plastischen Blütengehängen befinden sich dazwischen und trugen das Porzellan. Dieser Raum stellt heute noch ein bedeutendes Beispiel der Chinamode des 18. Jh. dar, auch wenn nichts mehr von dem originalen Porzellan vorhanden ist. Den glänzenden Raumeindruck komplettiert die weitere Gestaltung des Raumes durch Gustav Frölich: drei Spiegeltüren mit den darüber befindlichen Supraporten mit chinesischen Genremotiven, Kamin mit Spiegel, Muschelnische sowie zwei Kronleuchter.

Die ehemalige Bibliothek des Grafen wird seit September 2006 als Eheschließungszimmer des Standesamtes Niederwiesa genutzt. Kein anderer Salon des Schlosses demonstriert besser die Einheit zwischen Innenräumen und Außenanlagen. Aus den Fenstern schweift der Blick durch einen der schönsten Teile des Schlossgartens und über den Altan hat man einen direkten Zugang.

 

Zusammengestellt von Katharina Müller am 3.5.2000, Überarbeitet am 20.09.2007

 
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