Historisches

Der Bierkrieg von Niederwiesa
Der Bierkrieg von Niederwiesa

Von den Bewohnern wurde ein Verbindungsweg geschaffen, ein Höhenweg. Es ist anzunehmen, dass sich dieser in Höhe des jetzigen Waldrandes befand. Im weiteren Verlauf vereinigte sich der Weg mit der durch die Struth kommenden Bierstraße und der Hofer Höhenstraße, um weiter nach Chemnitz zu führen.

Die Bierstraße erhielt ihren Namen nach dem auf ihr abgefahrenen Gerstensaft aus den Zschopauer Brauereien, die auch Wiesa belieferten. Denn Dietrich von Harras ließ nur einheimische Biere aus Freiberg, Mittweida und Zschopau ausschenken.
Obwohl Niederwiesa zur Lehnherrschaft Lichtenwalde gehörte, übte die Stadt Chemnitz jedoch das Recht der Bannmeile über den Ort aus.
Ein Schreiben vom 18. Januar 1555 der Stadt Chemnitz und Eustachius von Harras belangend, bringt zum Ausdruck ((1) S. 53/71).
Auf Klage, so die von Chemnitz der Handwerker halben in denen Dörffern Wiesa und Ortelsdorff, Lichtenau, Ebersdorff, Hartensdorff wider Eust von Harras und halb Casparn von Auerwalde allda zuständig , fürbracht, haben wir dieselbigen Irrungen auf folgende Weise vertragen und verglichen:

  1. Das in berührten Dörffern, Wiese, Ortelsdorff, Lichtenau, Hartensdorff, Ebersdorff und Auerswalde, in einem jeglichen Dorffe zwey Leinweber das Handwerk zu treiben, macht haben sollten,
  2. Weil auch im Dorffe Lichtenwalde und Auerswalde Schmiede alle Wege gehalten werden, sollen dieselben frey stehen, in die Dörffer Ebersdorff, Lichtenau, Ebersdorff 2 Schneider, und in den anderen Dörfern Wiese, Ortelsdorff und Auerswalda 2 Schneider, Lichtenau, Lichtenwalda und Hartensdorff in einem jeglichen Dorffe ein Schneider zu halten gewilligt,
  3. als auch jetzo 2 Töpfer zu Nieder – Lichtenau, und einer zu Wiese sitzen
  4. Sollen in obberührten Dörffern allen, in einem jeglichen ein Stellmacher geduldet werden
  5. Mag auch in berührten Dörffern ein Bötticher gehalten werden. Über solche Handwerker sollen in berührten Dörffern in keine Handwerker mehr gehalten werden, sondern abgeschafft seyn und bleiben.

Dieses war eines der wichtigsten Stadtrechte. Es verbot innerhalb einer Meile, zum Schutz des Handels und des Handwerkes der Stadt, jegliche Konkurrenz. Doch da es die Wiesaer damit nicht so genau nahmen, kam es immer wieder zu klagen und handgreiflichen Streitigkeiten. Durch den Erlass des von Harras über den Bierausschank kam es zu regelrechten Bierkriegen zwischen Wiesa und Chemnitz. So kam es 1509 zu einer größeren Bierstreitigkeit, nachdem es schon während der Jahre 1500 und 1507 stets Streit um das Brauen, Mälzen und Ausschenken von einheimischen Bieren ging. Schon 1470, am 10. August, hatte von Harras ein Schreiben wegen Abschaffung des Mälzens, Brauens, Schenkens und Handwerkershaltens in seinen Dörfern, „sunderlich zcu Lichtenaw, zcu der Wesen unnde Awerßwalde“, erhalten.
Der älteste Bierstreit geht zurück bis zum Jahre 1368. Bei dem Bierstreit von 1509 überfielen die Chemnitzer die Schankwirtschaften und zerschlugen bei einer handfesten Schlägerei die Zschopauer Bierfässer.
Das Recht der Bannmeile war immerhin fast 500 Jahre lang eine Quelle fortwährender Streitigkeiten und Unruhen, so segensreich es an sich für die Chemnitzer Bürgerschaft auch gedacht war.
Das Schankrecht im Ort besaßen die beiden Richter. Durch die Teilung des Ortes gab es zwei Richter.
Beide Richter waren erblich belehnt worden. Um sie zu unterscheiden, nannte man das Gut des Richters in Oberwiesa Lehngericht und das in Niederwiesa Erbgericht.
Das Lehngericht in Oberwiesa ist das ehemalige Preißler – Gut (Heute Autohof Brückner).
Das Erbgericht liegt (nur noch zum Teil) an der Dresdner Straße am Ortsausgang nach Flöha und ist durch die Bodenreform aufgeteilt worden.
Beide Güter waren mit einem Gasthof verbunden, das Erbgericht, ehemals „Gasthof zur Linde“ und das Lehngericht mit dem ehemaligen „Gasthof zum Lamm“.
Das Lehngericht hatte später nicht nur das Schankrecht, sondern auch das Braurecht, denn am Hopfenberg (Weg zwischen Braunsdorfer – und Mühlenstraße ) wurde Hopfen angebaut.

 
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