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Zschopautal - Lichtenwalde
 

Gute Gründe das Zschopautal bei Lichtenwalde zu besuchen

 

Das romantische Zschopautal bei Lichtenwalde nimmt sowohl landschaftlich als auch historisch eine Sonderstellung ein. Hier zwängt sich die Zschopau aus dem Flöhaer Becken kommend s-förmig durch das Frankenberger Zwischengebirge.

Zwei markante Prallhänge ragen beidseitig des Flusses empor. Der eine trägt das Schloss Lichtenwalde mit seinem Barockgarten und Teil des anderen ist der sagenumwobene Harrasfelsen. Doch nicht nur historisch haben diese Hänge ihren ganz besonderen Reiz, sondern auch botanisch und geologisch. Einerseits der schattige und kühle Schlossberghang, andererseits der sonnige und wärmere Harrasfelsen, beide mit Nebenschluchten, den Fluss begleitende Ufergehölzstreifen sowie eingebettete Auenwälder und –wiesen bieten auf einem relativ kleinen Raum ein Wechsel von interessanten Pflanzgemeinschaften, die es sich lohnt auf Wanderungen durch das Gebiet zu erkunden.

  

Diese Botanische Vielfalt, die auch die eine oder andere Rarität enthält, hatte bewirkt, dass Juli 1968 ein Landschutzgebiet (LSG) „Lichtenwalde“ eingerichtet worden ist, was heute ca. 800 ha umfasst. Kernstück bildet seit September 1982 das ca. 34 ha große Naturschutzgebiet (NSG) „Zschopauhänge bei Lichtenwalde“.
In „Werte unserer Heimat - Das mittlere Zschopaugebiet“ (Bd. 28, Akademie-Verlag, Berlin 1977) schreibt man: „Als Tatsache darf man wohl besonders erwähnen, dass man im Zschopautal von Lichtenwalde infolge der Gunst der Wegeverhältnisse in ebenso bequemer wie eindringlicher Weise die Pflanzenwelt studieren und ihre Schönheit und Mannigfaltigkeit auf sich wirken lassen kann, wenn man etwa von der Zapfenbachmündung (nördlich Niederwiesa) aus am Zschopauufer entlanggeht bis zum Laubmischwald der Terrassenstirn oberhalb und unterhalb des Harrasdenkmals, wenn man von der Schlossmühle aus oder durch die Parkschlucht zum Schlossberg, aufsteigt oder wenn man auf der Gegenseite vom Bahnhof Braunsdorf zum Harrasfelsengebiet wandert, dabei das unmittelbar oberhalb des Felsens mündende Doppeltal nicht vergessend.“

Rastpilz am Zschopauhang      

Die Ursachen für die gute Erschließung für den Wanderer und die heute noch vorhandene botanische Vielfalt kann man sicherlich auch in der Historie finden. Die Zschopautalhänge auf Lichtenwalder Flur wurden um 1800 vom Grafen Friedrich II. Vitzthum von Eckstädt mit Ufer- und Höhenwege in einen Landschaftspark umgestaltet. Heute findet man wieder einzelne restaurierte Staffagen (Friedrichstein, Rastpilz, Försterstein, Harrasdenkmal) in diesem Waldgebiet. Mit der Anlage des Parks gelangte man auch bequem auf Lichtenwalder Seite zum Fuße des Harrasfelsen, der mit seiner markanten Gestalt schon jeher Betrachter in seinen Bann zog.

Harrasdenkmal

Der Chemnitzer Anzeiger gab am 16. Juli 1801 „Nachricht von dem Denkstein, welcher dem kühnen Springer, Ritter von Harras, im verflossenen Monat May zu Lichtenwalde gesetzt worden ist. ... Dieses Denkmal, dessen Errichtung mehr eine gehaltvolle Verzierung des in dieser reizenden und romantischen Gegend neu angelegten Spazierweges ... bezieht sich auf eine alte Sage. ... Ein Ritter von Harras, Besitzer des Ritterguthes Lichtenwalde, sey in eine Fehde jenseits des Wassers bey Braunsdorf von seinen Feinden überfallen, und so verfolgt und für seine Person von allen Seiten so eingeschlossen worden, daß ihm kein anderer Weg, der Gefangenschaft zu entrinnen, übrig geblieben sey, als dieser einzige, einen kühnen Sprung mit seinem Pferd von der Spitze des hohen Felsens (welcher noch heut zu Tage der Haustein genannt wird) hinab in den daran vorbeyströmenden Zschopaufluß zu wagen. Bey diesem kühnen Sprung von einer Höhe, (welche man sicher auf mehr als 100 Ellen rechnen kann) sey er so glücklich gewesen, in dem Fluß eine Tiefe des Wassers von 10 und mehr Ellen zu treffen, daß weder er noch sein Pferd den geringsten Schaden genommen, sondern er vielmehr das gegenseitige Ufer glücklich erreichte, und hierauf in seiner Burg oder Schloss zu Lichtenwalde die vollkommenste Sicherheit vor weiterm Verfolgen seiner erbitterten Feinde gefunden habe.“ Hierbei handelte es sich um die erste bekannte Niederschrift der Harrassage. Der Wanderweg auf Braunsdorfer Seite über denHarrasfelsen wurde 1882 ausgebaut. „Der herrliche Fußweg, welcher von der Haltestelle Braunsdorf am rechten Ufer der Zschopau entlang über den Harrasfelsen ... führt, ist unter der liebenswürdigen Mithilfe des Herrn Oberförsters Bruhm durch Anlegung eines bequemen Treppenweges von der Schlucht am Tunnel bis zur Höhe des Felsens erst recht gangbar geworden, während auf dem Harrasfelsen selbst lauschige Plätze mit Ruhebänken versehen geschaffen worden sind und vor allem der Aufenthalt am Körnerkreuz ungefährlich gestaltet wurde, indem am steil nach der Zschopau hin abfallenden Felsen eine feste Barriere vor dem Sturze in die Tiefe schützt.“ (Frankenberger Verschönerungsverein  am 27. Mai 1882 im Frankenberger Tageblatt).

      

Weitere interessante Entdeckungen im Zschopautal bei Lichtenwalde kann man auf einer Tour von Braunsdorf zur Flöhaer Landbrücke und am anderen Ufer zurück tätigen. Hier befindet sich eine Vielzahl an Objekten aus der Technikgeschichte. In der erstmals 1507 urkundlich erwähnten Webermühle wird heute noch gemahlen. Nur dient die Wasserkraft nicht mehr direkt als Antrieb, sondern der mit Turbinen erzeugte Strom. Weiter in Richtung Flöha führt der Zschopautal-Radweg an der Schauweberei Tannenhauer vorbei. Der unter Denkmalschutz stehende Komplex wurde einschließlich der Trockenterrassen am Hang nach 1800 erbaut und diente als Spinnerei, Färberei, Filzerei und zuletzt ab 1910 als Weberei. Nach Einstellung der Produktion 1990, konnte ein Teil der Maschinen erhalten und ab 1994 an diesem alten Textilstandort in einer Schauweberei präsentiert werden. Ein Besuch lohnt sich.

      

In der ehemaligen Finkenmühle ist eine Gaststätte mit Kegelbahn. Die Zschopau wird über die Landbrücke bei Flöha gequert und der Weg auf der anderen Seite zurück genommen. Der Vorbeikommende sieht Reste eines 1835 errichteten Floßplatzes und sonst Natur pur. Am Schönungsteich der Kläranlage sind mit etwas Glück Reiher, Rallen und andere Wasservögel zu beobachten.

Uferweg zwischen Niederwiesa und Flöhaer Landbrücke

In Niederwiesa stößt man auf die Talstrasse und läuft nach rechts um weiter dem Uferweg zu folgen. Auf der anderen Flussseite treten Wehr, Weberei und Mühle von Braunsdorf wieder ins Blickfeld. Rechts verläuft über eine kurze Wegstrecke eine Bahnlinie parallel, ehe sie Weg und Zschopau quert und über das markante rund 255 Meter lange Braunsdorfer Viadukt mit seinen 24 Bögen führt. Nach der Station Braunsdorf-Lichtenwalde geht es weiter nach Frankenberg. An der Ortsgrenze wird der Harrasfelsen durch einen über 30 Meter langen Tunnel gequert. Viadukt und Harras-Tunnel zwei interessante Bauwerke der Eisenbahngeschichte im Zschopautal.

Drei-Beücken-Blick   Braunsdorfer Viadukt   Tunnel am Harrasfelsen

 

Kulturtouristen, Naturfreunde, Wassersportler, Technik- und Eisenbahnfreaks, jeder findet bei uns im Zschopautal Interessantes. Ein Besuch lohnt sich.

Texte und Bilder von Frau Dr. Müller (Lichtenwalde)

 
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